Bibiana Beglau überzeugt Kritiker und Publikum mit ihrer überwältigenden Darstellung der "PETRA VON KANT"

Foto© Hans Jörg Michel/ "Die bitteren Tränen der Petra von Kant"
Bibiana Beglau spielt in Martin Kusejs unfassbarer Inszenierung von Fassbinders DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT die reiche und erfolgreiche Modeschöpferin 'Petra von Kant'. Die Darstellerin erweckt die Figur mit all Ihren schauspielerischen Mitteln zum Leben. Dabei ist ihr Spiel durch den Abend hindurch präzise und intelligent: Sie wechselt von der kühl-beherrschten, Furcht einflössenden Erfolgsfrau zur winselnd, schreienden Liebes-Abhängigen, die sich an der unerwiderten Liebe erst obsessiv berauscht, um dann beinahe im Wahnsinn verloren zu gehen. Bibiana Beglau bringt in dem Charakter der 'Petra von Kant' glaubhaft ein komplexes Wechselspiel von menschlichen Obsessionen und emotionalen Grenzsituationen zum Leben und überzeugt Zuschauer und Presse.
Sechs Frauen versammeln sich in einem luxuriösen Appartement zum emotionalen Ringkampf. Im Zentrum steht die amour fou zwischen der erfolgreichen Modedesignerin Petra von Kant und der jungen, aber mittellosen Karin Thimm, die aus Petras Zustand hysterischer Verliebtheit Profit zu schlagen weiß. Eine Dynamik der Ausbeutung nimmt ihren Lauf, an der Mutter und Tochter genauso teilhaben wie die stumme Marlene, die Petra abgöttisch liebt. Sie alle sind Teil einer Anordnung wechselseitiger Abhängigkeit in der Hochglanzwelt der Upperclass, von Fassbinder mit voyeuristischem Blick seziert. DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT ist kein Stück über weibliche Homosexualität, sondern eine Etüde über Machtverhältnisse, in der die homoerotische Beziehung eher der Klarheit einer Fallstudie dient. (Quelle: jozo pr)

Foto© Hans Jörg Michel/ "Die bitteren Tränen der Petra von Kant"
"Bibiana Beglau entäußert sich in der Rolle der Petra von Kant in einer derart beklemmend packenden Weise, dass einem zuweilen der Atem stockt. Ihr Wechselspiel von der maßlos arroganten Herrscherin zur abgrundtief verzweifelten, sich selbst erniedrigenden Liebesdurstigen, die sich ausgerechnet in ein kleines, blondes Luder mit Model-Ambitionen verknallt, benutzt und genauso unerfüllt dem lesbischen Sex hinterher giert, ist so verausgabend wie quälend, auch für die Zuschauer. Es gibt, wie auch, keinen Kulissenwechsel. Stattdessen kurze Blackouts, in denen der Showroom unter aggressivem Soundtrack wie in einem schwarzen Loch verschwindet und die Zuschauer sich im schwarzen Glas gespiegelt sehen. Einfach genial für das, was in dieser distanzierten und umso eindringlicheren, haargenauen Inszenierung abläuft. Der Kapitalismus unserer Gefühlswelt im Schein des hochgepuschten Glamours der Petra von Kant wird einem so voyeuristisch zwangsvorgeführt und konfrontiert einen so gnadenlos mit den eigenen Gefühlen, dass man sich dem durch nichts entziehen kann. Diese Aufführung geht über Fassbinder hinaus: wahnsinnig, verstörend und einschneidend. In jeder Hinsicht sensationell."
"Petra von Kant, grandios dargestellt von Bibiana Beglau in einem Kammerspiel voll emotionaler Wucht, das intensiv ins Herz trifft."
"Immer dann, wenn man glaubt, jetzt trägt Regisseur und Resi-Chef Martin Kusej doch zu dick auf oder die buchstäblich bis aufs Blut ausgelebte Leidenschaft droht in lesbischem Zickenalarm zu verkümmern, kommt Bibiana Beglau als Petra von Kant daher. Und alles wird aufregend anders. Kurze Monologe genügen, um ihre Enttäuschung von der Welt, ihren dennoch rücksichtslosen Furor, ihre selbstzerstörerischen Selbstironie, ihre unverhohlene Lust an Macht über Menschen und Restbestände ihrer Zärtlichkeit aus ihrer kantigen Physis explodieren zu lassen. Sensationell!"
"Wie die wunderbare Bibiana Beglau das spielt, wie sie von herrischer Arroganz in den zärtlichen Modus einer Liebenden mit Suchttendenz und maßlosem Besitzanspruch wechselt, um am Ende Höllenqualen des Schmerzes zu durchstehen, wie kalt und glühend sie sein kann, wie hochfahrend und am Boden zerstört, wie sie das alles aus ihrem schmalen, knochigen Körper zu holen und diesen selbst ins Spiel zu bringen, ja schier aufs Spiel zu setzen versteht - das ist ganz große Klasse."
"In Martin Kusejs Inszenierung von Rainer Werner Fassbinders Text vollzieht Beglau an ihrer Figur einen unbarmherzigen Exorzismus. Am Ende hat sie der Modeschöpferin so viel mehr als die "bitteren Tränen" ausgetrieben, von denen der Stücktitel berichtet: Beglau hat tief und gnadenlos im Innersten dieser Machtfrau gewühlt, um nach zwei Stunden dann Petra von Kants Seele vor unseren Augen freilegen zu können. Ob das freilich zur Befreiung ihrer Figur ausreicht, lässt sie offen. Gebannt folgt man Bibiana Beglau, wie sie Petra von Kant auslotet, deren dunkelste Seiten durchmisst. Sie zeigt die kühl-beherrschte Erfolgsfrau, die sich nach einer gescheiterten Ehe vor Männern ekelt, die auf SM-Sex und Bondage steht. Gefühle, auch erotische, kann von Kant nur (noch) in Kombination mit Schmerzen ertragen. Gefesselt ist nicht nur der Leib ihrer Gespielin, gefesselt ist diese Frau selbst. Gefesselt und waidwund von Beginn an. Die junge Karin erscheint ihr da als die sehnlich erwartete Befreierin: Begegnet sie ihr anfangs noch in lauernder Körperhaltung, wie ein Cowboy beim Duell, gibt sie sich bald schon mehr und mehr hin, spricht von Liebe, fordert diese vehement ein. In Karin wird von Kant ihre Meisterin und ihren Untergang finden. Bibiana Beglau spielt das umwerfend, atemraubend. Es ist ein Erlebnis, sie, die diese Spielzeit neu ans Staatsschauspiel gekommen ist, hier nun endlich in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen."
"Bibiana Beglau als Petra von Kant: zuerst in einem unsäglichen Hüftmiederhöschen und Brustbinde, dann im langen, rückenfreien Schwarzen mit höchsten Plateau-High-Heels - eine Art Liebeskriegerin. Sie girrt mit rauher Stimme und lockt mit raubkatzengierigen Gesten. Ihren blutüberströmten Rücken, den sie über Scherben gewälzt hatte, präsentiert sie gleichsam als Opferaltar ihres Begehrens, das sie in rasender Reinheit, ungebrochen, himmelhoch schmerzend und zu Tode erregt auf das Objekt ihrer Begierde wirft, als müsse sie sich an den letzten Strohhalm klammern, den ihr das Leben noch hinzuhalten die sarkastische Laune hat. Wenn sie "Ich liebe!" jammert, dann ist sie Medea, Penthesilea und "Lieschen Müller"-Ophelia in einer schön verrückten Person."
"Aber die leeren oder nur minimal gefüllten Behälter funktionieren ebenso als Metapher: für eine Modewelt ohne viel Inhalt, für eine Geschäftsfrau, deren Härte die famose Bibiana Beglau glasklar etabliert, damit sie von einer unverhofften Liebe fragiler gemacht und zerbrochen werden kann."

Foto© Hans Jörg Michel/ "Die bitteren Tränen der Petra von Ka
KASIMIR UND KAROLINE von Ödön v. Horváth, Regie: Frank Castorf
an der Schaubühne Berlin, Intendanz: Thomas Ostermeier, in:
4.48 PSYCHOSE von Sarah Kane Regie: Falk Richter